Das freie Spiel

Das Freispiel ist die Zeit in der wir den Kindern die Möglichkeit geben, sich auf seine eigene, kindgemäße Art und Weise mit seiner Lebenswelt auseinanderzusetzen. Dabei geben wir dem Kind die Freiheit, selbst zu entscheiden, wo, mit wem, womit und wie lange es spielen will.

Je nach Entwicklungsstand hat bei unserem Kleingruppenkonzept jedes Kind die Möglichkeit das zu erforschen, an dem es aktuell interessiert ist. Wir bieten dem Kind die Zeit, den Raum und das Material, das es braucht. Durch dieses abgestimmte Angebot und den geschützten Raum kann sich das Kind viel länger auf das selbstgewählte Thema konzentrieren, wodurch auch die Freude am Lernen steigt.

Im Freispiel hat jedes Kind die Möglichkeit seinen individuellen Interessen nachzugehen. Somit bildet das freie Spiel beste Voraussetzungen für das kindliche Lernen.

 

Die Kinder erkunden, indem sie alles anfassen und alle möglichen Funktionen ausprobieren. Dadurch versuchen sie, ihre Welt zu verstehen. Bei der Erkundung entstehen beim Kind Fragen wie z. B. Fällt alles was ich loslasse in Richtung Boden? Sind Dinge, die ich nicht mehr sehen kann, trotzdem noch da? Oder wie sieht der Raum aus, wenn ich meinen Stuhl in eine neue Ecke schiebe? So viel Neues! Die Kinder machen sich ein Bild von der Welt, in dem sie Alltagsgegenstände genau untersuchen, und zwar immer und immer wieder. So wird beispielsweise beim Essen der Löffel vom Tisch geworfen oder das Wasser am Wasserhahn untersucht. Durch mehrmaliges Wiederholen werden erste Thesen untermauert oder verworfen. Diese Handlungen helfen dem Kind, die Welt zu verstehen und führt letztendlich zu Wissen. Spielen ist daher intensives Lernen – „Selber tun macht schlau!“

Das Kind untersucht in den ersten Lebensjahren, wie die Welt funktioniert. Dazu muss es mit den Gegenständen „Experimente“ machen und diese auch immer wieder wiederholen. Diese Spielmuster nennt man elementare Spielhandlungen. Eine elementare Spielhandlung ist z. B. „das Erzeugen von Klängen“, wobei das Kind Töne erzeugt, indem es Gegenstände aneinanderschlägt, Materialien darauf untersucht, ob sie rascheln oder knistern oder in dem es schreiend in einem leeren Raum umherläuft. Diese Handlungen lassen sich im Freispiel sehr gut beobachten. Anhaltspunkt für die Betreuer/-innen ist, welche Spielhandlung führt das Kind gerade häufig aus und bereiten entsprechend danach den Raum und die Materialien vor.

Das Freispiel ist eines der wichtigsten Zeitabschnitte im Tagesablauf der Kinder. Der Kontakt mit anderen Kindern ist ein wesentlicher Bestandteil des Freispiels. Diese Zeit dient uns als Grundlage für Beobachtungen und Dokumentationen.

In der Freispielzeit wird die Gruppe oft altersgleich getrennt, damit die „Großen“ z. B. einen längeren Spaziergang machen oder ein intensives Rollenspiel machen können, wobei die „Kleinen“ ungestört im ruhigen Rahmen die ersten Gehversuche starten können.

Die Experimentierwanne, der Schatzkorb oder auch das Geschichtensäckchen, als kleine, konkrete Beispiele aus dem Alltag, wie das Lernen der Kinder im Freispiel gefördert wird, werden im Folgenden beschrieben.

In einer Experimentierwanne bieten wir im Laufe des Jahres immer wieder verschiedene Materialien an. Zum Beispiel Kastanien, aber auch Sand, Steine, ungekochte Nudeln, Wasser etc. Dazu reichen wir den Kindern Behälter in verschiedenen Größen und Formen, Trichter, Gießkannen, Löffel, Siebe usw. So können die Kinder fühlen, schütten, experimentieren und miteinander in Kontakt treten. Dabei wird die Feinmotorik, Augen-Hand-Koordination, sowie die Wahrnehmung geschult. Physik und Mathematik spielen dabei eine wichtige Rolle. Die Kinder sammeln Erfahrungen mit der Schwerkraft, sowie Volumeninhalten. Aber vor allem macht es sehr viel Spaß.

Beim Schatzkorb werden dem Kind verschiedene Alltagsmaterialien, wie z. B. Bürsten, Ringe, Lappen, Dosen oder Holzstückchen usw. in einem flachen Korb angeboten. Diese Materialien kommen aus der alltäglichen Umgebung des Kindes und werden in einem Korb zusammengestellt und dem Kind präsentiert. Derlei Alltagsmaterialsammlungen besitzen für das Spiel der Krippenkinder einen unschätzbaren Wert.

Das Kind kann jetzt Dinge, die es in den Händen der Erwachsenen gesehen hat, untersuchen. Die Fein- und Grobmotorik wird trainiert, die Benutzung von Alltagsdingen und der damit verbundene Sinn dieser Gegenstände werden entschlüsselt. Die Alltagsdinge sprechen alle Sinne an. Dabei führt das Kind mit den Dingen verschiedene elementare Spielhandlungen aus, oder versucht Handlungen mit den Dingen nachzuahmen, die es bei Erwachsenen gesehen hat.

Ein Geschichtensäckchen ist ein Beutel, in dem alle benötigten Utensilien zum darstellenden Erzählen einer Geschichte, eines Liedes oder auch eines Fingerspieles aufbewahrt werden. Das Säckchen wird außen mit einem Bild der Geschichte gekennzeichnet, sodass die Kinder erkennen, welche Geschichte enthalten ist. Der/Die Erzieher/-in holt beim Erzählen einer Geschichte nach und nach die Figuren und Requisiten aus dem Säckchen und baut diese für die Kinder sichtbar vor ihnen auf und benutzt sie zum Darstellen der Geschichte. Zum Lied „Hoppe, Hoppe Reiter“ beispielsweise enthält das Säckchen ein Stück grünen Stoff, ein Stöckchen und ein Holzpferd. Damit kann dann mit den Kindern zusammen das Lied gesungen und nachgestellt werden; anfangs zusammen mit dem/der Erzieher/-in, später auch alleine.

Das heuristische Spiel ist ebenfalls ein Bestandteil des Freispiels. Das heuristische Spiel leitet seinen Namen vom Wort Heuristik ab. Dieser Begriff ist eng mit dem Begriff „Entdecken“ verbunden. Heuristisches Lernen kann auch als entdeckendes Lernen bezeichnet werden. Die vom Erwachsenen leicht einzusetzenden Alltagsmaterialien sollen die Kinder in ihrer Welterkundung unterstützen.

Die Kinder experimentieren mit den Gegenständen und üben die elementaren Spielhandlungen aus. Sie lernen die Beschaffenheit der Gegenstände kennen, erfahren ihre Handhabung und ihre stofflichen Eigenschaften. Sie spüren die Dinge auf der eigenen Haut. Sie erleben wie die Dinge klingen, wie sie sich stapeln oder zusammenfügen lassen.